Wenn Sie beim letzten Mal, als Sie mit einem kommerziellen Flug gereist sind, aufmerksam waren, haben Sie wahrscheinlich einen Wagen oder eine Unit Load Device (ULD) voller Gepäck gesehen, der zum Flugzeug gefahren wurde. Anschließend stiegen Flughafenmitarbeiter aus, um das gesamte Gepäck manuell vom Wagen zu entladen und jedes einzelne Gepäckstück auf eine Förderbandrampe zu legen, die in den Frachtraum des Flugzeugs führt.
Der Begriff „Last Mile“ wird typischerweise im Transportwesen verwendet und beschreibt die letzte Etappe der Lieferung von Waren – vom Lager oder Distributionszentrum bis zum endgültigen Ziel. Im Flughafenkontext bezeichnet „Last Mile“ die letzte Phase der Reise eines Gepäckstücks: vom Check-in bis zur Verladung in das Flugzeug. Während Gepäckaufgabe und Sortierung an Flughäfen bereits weitgehend automatisiert sind, erfolgt dieser letzte Abschnitt vom Ausgang des Baggage Handling Systems (BHS) bis in den Frachtraum des Flugzeugs noch überwiegend manuell. Genau diese letzte Etappe entwickelt sich jedoch zu einer entscheidenden Chance in der Infrastruktur der Gepäckabfertigung an Flughäfen weltweit – mit Vorteilen sowohl für den Betrieb als auch für die Passagiere.
In diesem Beitrag diskutieren wir die Bedeutung, über die Gepäckausgabe hinauszudenken, und wie die Automatisierung der Last-Mile-Operationen dazu beitragen kann, Ihren Flughafen als Benchmark zu positionieren. Lesen Sie weiter, um mehr zu erfahren:
Die Last Mile darf kein Nebengedanke sein
Derzeit besteht eine Automatisierungslücke zwischen den Gepäcksortiersystemen und der Last Mile am Flughafen, wo Gepäck in das Flugzeug geladen wird. Während die meisten leistungsstarken Flughäfen bis zu diesem Punkt stark auf Automatisierung setzen, erfolgt das Be- und Entladen von Flugzeugen weiterhin überwiegend mit manuell betriebenen Traktoren und Gepäckwagen.
Dieser Prozess ist prädestiniert für Veränderungen, insbesondere angesichts der Zeit, die für das Be- und Entladen von Gepäck benötigt wird, sowie des steigenden Drucks auf Fluggesellschaften, schnelle Umlaufzeiten einzuhalten und pünktliche Flugpläne sicherzustellen. Neben der Zeit (das Beladen eines Flugzeugs kann bis zu 30 Minuten dauern) spielen viele weitere Faktoren eine Rolle, darunter Wetterbedingungen, Verkehr auf dem Vorfeld sowie der körperlich anstrengende Umgang mit schweren Gepäckstücken.
Innerhalb des Terminals ist die Umgebung kontrolliert und vorhersehbar. Sobald man jedoch auf das Vorfeld tritt, müssen Mitarbeitende deutlich mehr Variablen berücksichtigen.
Die Automatisierungslücke am Flughafen
Wie bereits erwähnt, sind Gepäcksysteme in modernen Flughäfen weitgehend automatisiert, die Last-Mile-Prozesse jedoch nicht. Dadurch entsteht eine Lücke, die den Gesamtprozess verlangsamen und Flugpläne beeinträchtigen kann. Zu den möglichen Problemen gehören:
• Stau auf dem Vorfeld und verzögerte Gepäckverladung
• Schlechte Sequenzierung der Gepäcklieferung
• Erhöhtes Risiko von fehlgeleitetem oder verlorenem Gepäck
Es wird geschätzt, dass Fluggesellschaften derzeit bis zu 7 Gepäckstücke pro 1.000 Passagiere falsch abfertigen. Obwohl dies nur etwa 0,65 % des gesamten aufgegebenen Gepäcks entspricht, kann es für Passagiere erhebliche Unannehmlichkeiten verursachen. Besonders bei engen Anschlussflügen geht Gepäck häufig verloren.
Warum besteht diese Lücke zwischen Terminal und Vorfeld? Historisch gesehen ist die Last-Mile-Gepäckabfertigung schwer zu automatisieren, unter anderem wegen Vorfeldverkehr, gemischter Fahrzeugflotten sowie strenger Sicherheits- und Regulierungsanforderungen. Doch dank Lösungen wie Automated Guided Vehicles (AGVs) und Autonomous Mobile Robots (AMRs) verändert sich dieses Betriebsmodell zunehmend.
Wie autonome Mobilität die Last Mile optimieren kann
Durch die Integration von AGVs und AMRs in das Gepäckabfertigungssystem können Flughäfen den gesamten Prozess automatisieren. Ein möglicher Ablauf sieht wie folgt aus:
• Nach dem Check-in wird das Gepäck vom System zu einem Übergabepunkt im Terminal gebracht
• AGVs oder AMRs erhalten einen Auftrag und fahren über definierte Routen zum Übergabepunkt
• Roboter laden das Gepäck sicher und effizient auf Wagen/ULDs
• Die Fahrzeuge transportieren das Gepäck zum entsprechenden Flugzeug
• Anschließend kehren sie zurück oder werden neu eingesetzt
Der größte Vorteil liegt nicht nur im autonomen Transport von Gepäckwagen/ULDs, sondern in der vollständigen Integration in das gesamte Gepäcksystem. Vom Terminal bis in den Frachtraum kann Automatisierung die Lücke zwischen Check-in und Verladung schließen.
Zentrale Vorteile von AGVs am Flughafen
Frühe Automatisierungslösungen arbeiteten häufig isoliert. Heute reicht das nicht mehr aus. Systeme müssen integriert zusammenarbeiten.
Pünktlichere Gepäckabfertigung
Mehr Automatisierung führt zu konsistenteren Prozessen, weniger Fehlern und schnellerer Erholung bei Störungen.
Weniger Staus und besserer Vorfeldverkehr
AGVs verbessern den Verkehrsfluss und reduzieren unnötige Bewegungen auf dem Vorfeld.
Bessere Sequenzierung für Lade-Teams
Echtzeitkoordination reduziert Wartezeiten und erleichtert Anpassungen bei Gate- oder Standänderungen.
Mehr Sicherheit und weniger manuelle Arbeit
Weniger schweres Heben, weniger Schlepparbeit und geringere Belastung durch Wetterbedingungen.
Skalierbare Abläufe
Automatisierte Systeme arbeiten rund um die Uhr und lassen sich flexibel an Nachfrageschwankungen anpassen.
Die Zukunft ist automatisiert
Flughäfen haben bereits große Teile der Gepäckabfertigung innerhalb des Terminals automatisiert, doch die letzte Meile bietet weiteres großes Potenzial. Eine vollständige Automatisierung kann bessere Abläufe, weniger Staus, geringere Kosten und höhere Skalierbarkeit ermöglichen.
AGVs und AMRs können das fehlende Puzzleteil für viele Flughäfen sein. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, bestehende Systeme zu überprüfen und Engpässe zu identifizieren.
Über Daifuku
Daifuku ist ein weltweit führender Anbieter von End-to-End-Lösungen für Flughafenbetriebe und arbeitet eng mit Flughäfen und Fluggesellschaften zusammen, um nahtlose, datengetriebene Passagier- und Gepäckprozesse zu ermöglichen. Mit jahrzehntelanger Erfahrung in Gepäckfördersystemen, digitalen Flughafenlösungen und Self-Service-Technologien unterstützt Daifuku Betreiber dabei, Leistung, Resilienz und Passagiererlebnis zu verbessern.
Von CUSS-Kiosken über Self Check-in und Self Bag Drop bis hin zu fortschrittlichen Visualisierungssystemen wie Sym3 und Airport Operations Systems liefert Daifuku zukunftssichere Lösungen für effizientere Abläufe.

